Ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin. Der Gang zum Psychologen wäre evtl. sinnvoller. Und ob man das Liebeskummer nennen kann, weiß ich auch nicht...
Im verflixten siebten Jahr habe ich mich von meinem Mann getrennt. Ich muss dazu sagen, dass ich schon lange vor der Trennung immer wieder darüber nachgedacht habe. Ich war einfach nicht glücklich, hab mich allein gefühlt und zudem mit Job, Haushalt und einem hyperaktiven Kind total überlastet. Meine Hilferufe kamen nie richtig an. bzw. kamen sie schon an, aber eher als "Rumgemecker". Wir waren beide nicht mehr glücklich, lebten eigentlich nur noch in einer Zweckgemeinschaft.
Ich lernte einen anderen Mann kennen. Bzw. kannte ich diesen schon seit vielen Jahren... er arbeitet in der gleichen Firma wie ich. Seine Freundin hatte kurz zuvor die 9 Jährige Beziehung beendet und er war ziemlich fertig. Ich weiß nicht warum, aber ich habe mich Hals über Kopf in ihn verliebt. Und umgekehrt. Wir schrieben viele SMS, trafen uns heimlich. Und ich erfuhr längst vergessen gedachte Gefühle...
Drei Monate später erst habe ich mich von meinem Mann getrennt. Als Gründe gab ich die Probleme an, die wir jahrelang hatten. Und das stimmte ja auch. Ich hatte es, wie erwähnt schon oft herbeigesehnt, mich zu trennen. Nur dummerweise erst jetzt, als ich mich neu verliebt hatte, habe ich es auch durchgezogen.
Er hat den zweiten Hintergrund jedoch erfahren... indem er heimlich meine Tagebücher gelesen hat. Er kam damit nicht klar und er hat sich versucht das Leben zu nehmen. Das war eine verdammt schlimme Erfahrung für mich. Durch mein Verhalten hatte ich fast den Vater unseres Kindes in den Tod getrieben.
Was folgte, waren 1 1/2 schwere Jahre. Ich war mitten in einer nebenberuflichen Weiterbildung, hatte meinen Job, den Haushalt und mein Kind, das auch unter der Trennung litt und verhaltensauffällig wurde...
Zudem gab mein Mann nie auf. Es war nicht möglich, Regeln aufzustellen, ohne, dass ich das Gefühl hatte, dass unser Kind "alles abbekommt"... Er hat mich kontrolliert, mal ist er einfach spät abends, als ich Besuch bekam, "zufällig" vorbeigejoggt, dann stand er nachts vor der Tür, hat Telefonterror betrieben... und wenn er da war fehlten hin und wieder SMS in meinem Handy... Ich war psychisch irgendwie am Ende. Zudem hatte ich immer wieder Angst, dass er sich erneut das Leben nehmen könnte.
Ich war nicht in der Lage, mit dem anderen Mann, für den ich starke Gefühle entwickelt hatte, mit dem ich viele schöne Momente und Stunden hatte, über den ich herzhaft lachen konnte, eine Beziehung einzugehen. Er hat auch sehr unter dieser Situation gelitten.
Angeblich um sich abzulenken hat er dann einen Job in einer Diskothek angenommen. Total euphorisch zeigte er mir nach dem ersten Abend dort einen Zettel von einer Frau... Den hat er mir dann am nächsten Tag vorgelesen. Ich fand das nicht toll. Er meinte, ich solle doch froh sein, dass er mir das erzählt... Er wolle ja keinen Kontakt zu der usw... Dann war mal sein Handy aus... Dann war er mal mit einer anderen Kollegin essen... alles Dinge, die mich doch sehr zweifeln ließen. Aber er konnte echt überzeugend reden... hat immer alles abgetan... und Komplimente ohne Ende gemacht usw. Ich habe ihm immer wieder geglaubt...
Ende vom Lied: Nach über einem Jahr zog dann mein Mann fast direkt bei mir um die Ecke... (vorher wohnte er bei den Eltern, immer in der Hoffnung, bei uns wird es wieder)... und packte auch langsam seine Sachen, die hier noch in den Schränken waren.
Just in diesem Moment kam bei meinem "Lover" eine Frau ins Spiel. Sie hat ihm schöne Augen gemacht. Ich habe ihm immer wieder darauf angesprochen, ob da was wäre - er hat es immer wieder dementiert. "Zu Jung... falsche Nationalität... Ich werf doch meinen Sechser im Lotto nicht weg..." Aber na ja, ich habe es gespürt. Und schließlich kam das Mädel dann auf mich zu. Es kam alles raus. Angeblich ist zwar zwischen ihnen nichts gelaufen... aber er hat ihr sehr hohe Hoffnungen gemacht... und zu Hause war sie bei ihm ja auch schon. Er hat echt gelogen bis es nicht mehr ging. Das hat mich unendlich verletzt. Soetwas musste ich noch nie vorher durchleben. Er hat den Kontakt zu ihr abgebrochen und meinte, er hätte ja nie gewußt, ob das mit uns mal was wird aber NUN wüßte er, wo sein Weg hinführt usw.
Ich konnte das ganze nicht vergessen. Ich hatte in diesem Mann immer einen ganz besonderen Menschen gesehen... und ihm sowas nie zugetraut. Und nun erlebte ich am eigenen Leib, was ich damals meinem Mann angetan hatte...
Nur wenige Wochen später - wenn man so will - kurz vorm Gang zum Scheidungsanwalt kam unser Kind mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus. Noch während ich in der Notaufnahme war und mein Mann die Anmeldung tätigte, hat er mein Handy durchgeforstet und einige SMS gelesen... Er hat es mir erst später gesagt. Ich fand das schrecklich. Zugleich sagte er aber auch, er würde sich nun zurückziehen und zwar komplett. Sich auch nicht mehr so um das Kind kümmern. Grund: Er könne sich das Schauspiel zwischen "dem" und mir nicht ansehen. Ich wäre ja nicht alleine. Es wäre zu schmerzhaft für ihn. Und er betonte immer wieder, er würde es so gerne nochmal mit mir versuchen, hätte einfach gerne eine zweite Chance.
Ich bekam Panik... lag 40 Stunden wach. Da war jemand, der mich wirklich 100%ig so liebt wie ich bin, mit all meinen Macken. Der mir alles verzeihen würde. Noch nie hat jemand so um mich gekämpft. Und was, wenn doch alles klappen würde und Du hättest die Chance nie genutzt?
"Der andere" hätte mir nur immer wieder weh getan... mein Bauchgefühl, mein Kopf und Warnungen von anderen sagten mir dies. Und meinem Kind den Vater nehmen? War es das alles Wert? Nachdem, was passiert war?
Kurz: Ich entschied mich für die zweite Chance. Teilte dies "dem anderen" auch mit. Ich brach den Kontakt ab, um meiner ehe eine Chance zu geben. Es tat mir schon weh... sehr weh! Ich verlor mit ihm den besten Freund, den ich je hatte... dachte ich!
Heute bin ich froh, dass es so gekommen ist!
Nach dem Kontaktabbruch mit dem "anderen" habe ich erfahren, dass er der ursprünglichen "zu jungen" Frau (die zwischendurch mal was mit seinem besten Freund hatte) wieder hinterhergelaufen ist und meinte, er habe damals den Kontakt doch nur abgebrochen aus Angst, ich würde seinen und ihren Job gefährden. Und wohl, weil ich ja wegen ihm meinen Mann damals verlassen hätte usw. Er hat so viel privates, intimes von mir Preis gegeben...
Er stellte mich bei ihr da, wie ehemals sie bei mir (Faustdick hinter den Ohren usw.) Mein bisschen Selbstbewußtsein war am Boden zerstört.
ER hat sich immer als den sensiblen, lieben, unschuldigen hingestellt und jeder nimmt es ihm ab. Die Frauen kommen ja immer auf ihn zu... und er brauch eine Menge Selbstbestätigung.
Es scheint, als hätte ich mich total in diesem Menschen getäuscht... Ich denke, über diese Erfahrung komme ich nur schwer hinweg.
Er hatte immer große Angst davor, dass ich den Weg zu meinem Mann zurückgehe... aber er hat es auch nie versucht, zu verhindern. Im Gegenteil. Ich denke, er wußte selbst nicht, was er wollte.
Er ist mittlerweile sogar als "Aufreisser" bekannt, der alles mitzunehmen scheint, was kommt... Und das widert mich an. So sehr, dass ich mich vor mir selbst ekle. Denn ich stelle so vieles in Frage... Ein Mensch wird ja nicht von heute auf morgen so...
Mein Mann ist dagegen nie so ein Typ gewesen. Und sowas wollte ich auch nie haben. Auch durch die ganze Erfahrung, die ich gemacht habe, sehe ich in ihm mittlerweile einen "Helden". Wie gesagt, das beste, was mir passieren konnte. Und ich bin froh, dass ich ebenso bin und es nie nötig gehabt habe, mir Selbstbestätigung auf diese Art und Weise zu holen.
Nun sind wieder mehr als 2 Monate vergangen. Mein Mann und ich leben noch immer getrennt, wollen es langsam angehen lassen. In der
Prüfungsphase war er immer für mich und unser Kind da, hat mich sehr unterstützt und sich unendlich viel Mühe gegeben.
Vorletzte Woche habe ich ihn dabei erwischt, wie er mein Handy mal wieder kontrollierte und ich war unendlich enttäuscht. Ich hatte mir sowas gedacht. Ich dachte die ganze Zeit: Du leidest unter Verfolgungswahn und habe ihm eine Falle gestellt... nur so konnte ich rausfinden, ob ich Recht habe oder nicht. Zudem hat er den "Internet-Namen" des "anderen" rausbekommen und ist über Google auf dieses Forum gestossen... wo auch ein Beitrag von "ihm" drin stand. Ich fand das so schlimm!
Seitdem bin ich total zerrissen.
Es kam so vieles wieder hoch, ... die letzte Zeit unserer Ehe. Die Kontrollen während der Trennung.
Die vielen Erlebnisse der letzten fast 2 Jahre... ich hatte keine Zeit, zu weinen, keine Zeit, zu verarbeiten und denke, es wäre wirklich besser gewesen, wenn ich erstmal alleine geblieben wäre. Ich weiß, dass ich diesen Mann nicht verlieren möchte, er bedeutet mir sehr viel und ich kann mir keinen anderen Mann mehr an meiner Seite vorstellen, als ihn. Doch anstelle superhappy zu sein, dass ... bin ich zum Teil sehr down. Dies widerrum zieht ihn mit runter... und die Angst, ihn zu verlieren wird immer größer. Doch ich KANN NICHT anders...
Das schlimmste ist: Jeden Tag auf der Arbeit werde ich "an meinen Fehler" erinnert. Und die Wut auf mich selbst und der Ekel vor mir lassen nicht nach. Schlechtes Gewissen pur... Nach Aussen will ich mir nichts anmerken lassen. Und kann auch mit keinem so recht darüber reden.
Nur wer kann mir Tipps geben, aus meinem Loch wieder rauszufinden und den Menschen glücklich zu machen, der mich wirklich verdient hat?