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  #1 (permalink)  
Alt 24.09.2008, 13:16
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Standard Was kann ich tun...?

Hallo zusammen!

Ich (34) bin mit meiner Frau (34) 9 Jahre zusammen (damals habe ich noch studiert). Seit 7 Jahren wohnen wir zusammen und sind seit ziemlich genau 3 Jahren verheiratet. Bis vor ca. 1 Jahren waren wir sehr glücklich haben uns unser gemeinsames Leben nach unseren Vorstellungen aufgebaut und eingerichtet. Es gab nie existenzielle Sorgen oder Nöte, es gab auch keine ständigen Reibereien oder großen Stress. Das wir irgendwann Kinder haben wollten, war klar, also versuchten wir es im Jahr nach der Hochzeit. Als das nicht funktionierte stand nach einigen Arztbesuchen und 2 OPs die Diagnose einer schweren Endometriose bei meiner Frau fest (schlimmste Verwachsungen). Somit war klar, wir können auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen. Also begannen wir mit Maßnamen zur künstlichen Befruchtung. Das war vor 1 Jahren. Die begleitende Hormontherapie versetzte meine Frau quasi in den Status der Wechseljahre. Es ging ihr ab da sehr oft sehr schlecht (Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen) und sie hat mir das auch immer wieder angedeutet, aber ich habe es nicht wahrgenommen und verstanden, da ich beruflich absolut eingebunden war. Zu dieser Zeit (das weiß ich aber erst heute) ging für mich der Beruf vor und wir haben kaum noch etwas miteinander unternommen.
Der 1. Zyklus der künstlichen Befruchtung hat nicht funktioniert und so stand jetzt, nach einem schönen Urlaub, der nächste an. Just zu Beginn dieses eröffnete meine Frau mir, sie könne so nicht mehr leben. Ich war wie vor den Kopf gestoßen, aber sie konnte mir auch nicht sagen, wie sie leben will. Dann ging alles schnell. Als ich begriff wie schlimm es ist, hatte sie schon beschlossen bei ihren Eltern zu schlafen. Auch hier konnte sie nicht sagen, was sie will oder wie sie ihre Zukunft sieht (früher war ihr immer wichtig, wie die Zukunft aussieht). Sie kam dann für ein paar Tage zurück, was aber nicht ging, da sie meine Nähe nicht ertragen konnte. So zog ich für 2 Wochen zu Freunden. Dann eröffnete sie mir, sie glaube sich in eine Frau verliebt zu haben (ihr käme es lediglich auf die Person, nicht auf das Geschlecht an). Diese Frau ist eine Arbeitskollegin, mit der sie in letzter Zeit viel unternommen hat und die sie sicher auch emotional aufgefangen hat. Ich habe dann gesagt, dass sie bei dieser Situation innerhalb einer Woche ausziehen müsse und ich wieder die Wohnung beziehe. Dies hat sie nun getan und sich eine eigene Wohnung gesucht. Sie sagte mir, dass sie nichts fühle und mich auch nicht mehr liebe. Ich hatte ihr schon früh den Vorschlag gemacht, zu einer Eheberatung zu gehen. Das fand sie zunächst gut, sagte aber jetzt, dass das eh keinen Zweck hat (wegen der anderen Frau) und ihr das alles zu viel Stress sei. Ihr Grundtenor derzeit ist, absolut gestresst zu sein. Bei all dem könnte man ja jetzt sagen, es ist halt so, aber das Schlimmste an all dem ist, dass meine Frau einen völlig veränderten Charakter hat. Ihr ist alles, was früher wichtig war egal. Angefangen bei unserer Katze (die ihr ein und alles war) bis hin zu ihren Eltern. Sie ist emotional total kalt und abweisend und läuft weg, sobald man mit ihr reden will. Diese Kälte und dieses fehlende Gespür für die Mitmenschen hatte sie früher nie, ganz im Gegenteil. Ich denke, in den 1 Jahren hat sich bei ihr einiges aufgestaut, aber derzeit wirft sie alles, was früher wichtig war weg. Ich habe sie bezüglich Scheidung angesprochen, woraufhin sie mit Erstaunen reagierte. Ich habe ihr Hilfe beim Umzug und bei allem Anderen angeboten, woraufhin sie eher mit Ablehnung reagierte. Ich habe ihr auch im Verlauf dieser mittlerweile 8 Wochen meine Gefühle und meine Liebe gezeigt, hat sie aber absolut kalt gelassen. Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass mit ihr etwas nicht stimmt, weil sie sich total verändert hat. Richtig glücklich ist sie derzeit nicht (sieht schlecht aus und hat ihrer Mutter gesagt, sie sei nicht glücklich). Ich liebe sie über alles und sie ist meine Frau, dass heißt ich habe ihr versprochen zu ihr zu stehen und das will und werde ich (obwohl meine Freunde das kaum verstehen). Ich habe hier schon ein wenig gelesen und ich denke ich muss mich in Geduld üben, aber das fällt unendlich schwer.
Aktuell will sie nur in ihre neue Wohnung und Ruhe haben.

Puh, langer Text, hoffentlich liest den jemand, aber ist halt viel passiert.

Grüße

Cypher
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  #2 (permalink)  
Alt 24.09.2008, 16:17
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Standard RE: Was kann ich tun...?

Hallo Cypher!

Herzlich Willkommen an Board!

Ich denke auch, dass sich im vergangenen Jahr bei Deiner Frau einiges aufgestaut hat. Es hat sie sicher schwer belastet (und tut es immer noch), dass sie auf natürliche Art keine Kinder bekommen kann. Und auch der Schritt zur künstlichen Befruchtung ist kein Sonntagsspaziergang, so eine Hormontherapie ist nicht ohne
Dass sie Dir nur Andeutungen über ihren Gesundheitszustand gemacht hat, ist aber doch schon ein wenig seltsam. Warum hat sie Dir denn nie klipp und klar gesagt, wie es ihr geht? Hatte sie vielleicht den Eindruck, dass es Dich nicht so sehr interessiert? Mir stellt sich zudem auch die Frage, weshalb Dir der Beruf zu dieser Zeit wichtiger als alles andere war? Ich meine, der Beruf ist sehr wichtig, das sollte man nicht ausser Acht lassen, aber m.E. sollte man die Beziehung deswegen nicht schleifen lassen.
Manchmal ist es leider so, dass in schwierigen, lang andauernden Situationen einer der beiden Partner nicht mehr kann. In Deinem Fall ging/geht es Deiner Frau so, was ich in Anbetracht der Umstände (leider) auch verstehen kann. Sie hat sich in gewisser Weise einsam gefühlt, woraus wohl dieser "Stress" und all ihre Veränderungen, die sie nun durchlebt, resultiert sind. Das ist sehr traurig.
Dass Du zu Deiner Frau stehst und ihr trotz allem helfen möchtest, finde ich sehr schön. Nimm es Deinen Freunden nicht übel, wenn sie das anders sehen. Ich glaube, sie würden an Deiner Stelle genauso handeln, wie Du es tust Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass sie (als Aussenstehende) einfach nicht möchten, dass Du an dieser Situation zerbrichst. Sie machen sich schlichtweg Sorgen um Dich!
Wie geht es Dir denn momentan? (Du schreibst ja ein wenig nüchtern, bzw. neutral )

Ich weiss ja nicht, inwiefern Du mit Deiner Frau noch in Kontakt stehst, aber vielleicht solltet ihr doch noch mal über eine Beratung/Therapie sprechen. Ich meine damit keine Eheberatung, sondern eine Einzeltherapie, denn das, was Du bei Deiner Frau beschreibst, klingt für mich nach einer ernst zu nehmenden Depression. Sicher muss sie selber entscheiden, ob sie sich Hilfe suchen möchte, oder lieber nicht. Du kannst nur mit ihr darüber sprechen. Aber vielleicht würde sie sich Deiner Worte annehmen, denn sie merkt bestimmt selber, dass sie sich sehr verändert hat und vieles "anders" geworden ist.

Ich wünsche Dir alles Gute und ganz viel Kraft!


Lieben Gruß,

Beate
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  #3 (permalink)  
Alt 24.09.2008, 17:01
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Standard RE: Was kann ich tun...?

Hallo Beate!

ich schreibe so "nüchtern", weil ich mich einigermaßen beherrsche. Es geht mir extrem schlecht (obwohl es ganz langsam besser wird). Das hier ist bisher meine größte Krise und in den ersten Wochen war es tatsächlich eine feste Depression (die ich noch nicht überwunden habe). Ich bin schon relativ schnell nach dem "Knall" zu einer Psychotherapeutin gegangen.
Warum sie mir das zuvor nicht deutlicher sagen konnte, weiß sie selbst nicht. Sie sagte mal, dass dann alles nicht so weit gekommen wäre.
Bezüglich des Berufes habe ich einen riesen Fehler gemacht und mich in die "Mühle" reinziehen lassen und hatte für die Ehe überhaupt keine Energie mehr übrig. Habe ich aber sofort abgstellt und werde die Stelle wechseln.
Wir sprechen (selten) mittlerweile wieder relativ stressfrei miteinander.(ich lasse sie in Ruhe und warte auf Zeichen von ihr) Sie will aber bezüglich Zukunft nichts wissen und blockt sofort ab und sagt, sie will jetzt nur ihre Ruhe und in ihre Wohnung. Bei dem Argument der Hormone (und einer damit verbundenen Depression o.ä.) blockt sie auch ab und sagt, sie sei nicht krank (leider ein Merkmal einer aggitierten Depression).
Somit kommt für sie eine Beratung nicht in Frage. Für mich läuft sie im Moment einfach weg. Ich hoffe wirklich, sie kommt bald zur Ruhe.
Eines ist aber klar, egal, was Freunde oder Familie sagen, ich muss mir selbst treu bleiben. Und so ist klar, ich stehe zu ihr und kann nur Geduld zeigen. Brücken habe ich ihr gebaut, nur rüber gehen muss sie selbst.

Grüße

Cypher
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  #4 (permalink)  
Alt 26.10.2008, 10:40
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Hallo zuzsammen!

So, habe heute morgen auf mein Herz gehört, das sagte "ruf sie an!" und sie angerufen. Sie wirkte das erste Mal seit langem entspannt. Es war ein kurzes, nettes Gespräch und ich habe sie dann gefragt, wie sie denkt, wie es weiter geht. Da hat sie gesagt, dass sie sich mit mir treffen will um das zu besprechen. So treffen wir uns also am nächsten Donnerstag in einem Brauhaus. Jetzt habe ich mal ziemliches Herzrasen und ziemliche Angst, dass sie so was sagt, wie "lass uns zum Anwalt gehen...". Und Donnerstag ist noch sooo lange hin.

Liebe Grüße

Cypher
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  #5 (permalink)  
Alt 29.10.2008, 22:14
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Huhu Cypher!

Das hört sich ja schon mal positiv an
Es ist auf jeden Fall schon mal ein gutes Zeichen, dass sie diesmal entspannt mit Dir gesprochen hat. Natürlich bleibt jetzt abzuwarten, was sie Dir sagen möchte. Da kann ich Deine Nervosität verstehen! Versuche, neutral zu bleiben und nicht mit allzu großen Hoffnungen zu eurem Gespräch zu gehen.
Wie ist es Dir denn seit eurem Telefonat ergangen? Konntest Du Dich gut ablenken?

Ich drück Dir die Daumen!


Liebe Grüße,

Beate
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  #6 (permalink)  
Alt 30.10.2008, 07:16
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Hallo Beate!

Ablenkung ist kaum möglich, ausser bei der Arbeit.
Ich bin sehr aufgeregt und habe natürlich auch Schiss...in 12 Stunden weiß ich mehr.

Liebe Grüße

Cypher
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  #7 (permalink)  
Alt 31.10.2008, 20:46
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So, Treffen vorbei, die schlimmste Befürchtung ist nicht eingetreten, Scheidung war kein Thema.

Als allererstes hat sie mich bei der Begrüßung umarmt (da war ich überrascht) und sie sah verdammt gut aus. Zuerst ein nettes Gespräch über den Alltag, wo sie immer Wert auf ihre Selbständigkeit und die Endgültigkeit gelegt hat. Ich habe auch erzählt, wie ich mein Leben gestalte und was ich alles mache und verändert habe.

Ich hab sie dann nach einer guten Stunde gefragt, wie es weiter gehen soll. Und dann hat sie über das gesprochen, was für sie das Problem ist/war (wenig Selbstbewußtsein, die Kinderlosigkeit, sich nicht öffnen können, immer die Starke sein zu müssen). Sie sagte auch, wir hätten nie so offen reden können, weil sie sich nicht geöffnet hat. Insgesamt sehr emotional (so, wie früher). Sie habe jetzt begonnen über alles nachzudenken, das was sie vermisst und das was sie nicht vermisst. Sie habe sich sehr verändert (habe ich gleich gesagt, ich auch). Sie will mir keine Hoffnungen machen. Von der Arbeitskollegin, oder einer neuen Beziehung war keine Rede. Jetzt müsse sie wieder viel arbeiten und habe dann die meiste Zeit im Dezember frei. Ich habe gesagt, sie müsse das nicht weiter erklären, das sei ok so wie es ist und das wir vielleicht genau diese Situation jetzt brauchen. Ich habe lange überlegt und ihr dann gesagt, dass ich sie liebe. Hat sie berührt. Habe sie NICHT gefragt, was sie empfindet. Ich habe sie gefragt, ob wir uns weiter sehen. Sie sagte, jetzt einmal pro Woche oder so wäre ihr zu viel.

Alles in allem hat sie dem, was sie sagte schon einen endgültigen Anstrich gegeben, aber das Treffen war doch positiver, als gedacht.

Zum Abschied wieder eine Umarmung und feste gedrückt und sie hat gesagt, dass es schön war. Ich habe gesagt, dass sie sich melden soll, wenn sie mag (den Schlüssle hat sie übrigens behalten ;-) ).



So, langer Text...bin erleichtert.



Liebe Grüße



Cypher
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Alt 13.11.2008, 19:33
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Hallo Cypher!

Das hört sich doch schon mal sehr gut an!
Sie scheint in der Zeit, in der ihr keinen Kontakt hattet, wirklich über euch beide nachgedacht zu haben und ist zudem sehr ehrlich zu Dir. Sie scheint den Glauben an euch noch nicht verloren zu haben!

Aber versuche dennoch weiterhin, nicht zuviel zu erwarten, denn noch scheinen die Dinge offen zu sein (sie sagt, sie will Dir keine Hoffnungen machen, hat aber den Schlüssel behalten). Es war gut, dass Du ihr es überlassen hast, dass sie sich melden kann, wenn sie möchte. Damit signalisierst Du ihr, dass Du ihr die Zeit gibst, die sie braucht. Das finde ich super!

Habt ihr in der Zwischenzeit denn nochmal miteinander gesprochen?

Würde mich freuen, wieder von Dir zu lesen!


Liebe Grüße,

Beate
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  #9 (permalink)  
Alt 13.11.2008, 19:49
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Hallo Beate!

Tja, gesprochen nicht. Ich hatte auch gedacht, es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Aber sie hat sich eine Woche später mit einer guten Freundin (von uns beiden) getroffen und ihr gesagt, dass sie jetzt mit dieser Kollegin zusammen sei. Das sei nicht für ewig, das wisse sie, aber sie sei jetzt glücklich. Dann hat sie von unserem Treffen erzählt und dass es schlimm sei, dass sie uns keine Chance gegeben habe (und dabei geweint), aber keinen Zweifel daran gelassen, dass ihr Entscheidung endhgültig ist. Ich bin jetzt entsprechend patt. Ich werde mich nicht mehr bei ihr melden, aber es sieht nicht gut aus, denke ich.

Liebe Grüße

Cypher
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